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Brockhaus NL - Brockhaus Kochkunst - ESS: 16.07.2008

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Alt 04.07.2008, 12:15   #1 (permalink)
Flupp
 
Registriert seit: 29.07.2005
Beiträge: 489
Standard Brockhaus NL - Brockhaus Kochkunst - ESS: 16.07.2008

Unsere Quizfrage
Heiraten wollte sie niemand oder niemanden, je nachdem, wie man ihr Verhalten zu Männern interpretiert. An Äußerlichkeiten wird es nicht gelegen haben, Liebhaber, durchaus ausdauernde darunter, hatte sie genug. In der Regel stammten sie aus den oberen gesellschaftlichen Schichten. Sie selbst kam ziemlich von unten, als zweites Kind von Eltern, die von Markt zu Markt zogen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und die bei ihrer Geburt nicht miteinander verheiratet waren. Heute empfindet man solch familiäre Gestaltungsfreiheit vielleicht sogar als chic oder vorbildhaft (z.B. um als Politiker oder Politikerin auf sich aufmerksam zu machen), Ende des 19. Jahrhunderts waren die Maßstäbe dagegen völlig andere.

Sie war 12 Jahre, als ihre Mutter starb und ihr Vater sie und ihre vier Geschwister sich selbst überließ. Die weitere Erziehung blieb einem Waisenhaus und einem Mädchenpensionat in der Provinz überlassen. Der berufliche Einstieg sollte durch eine Stelle in einem Wäschegeschäft und als Näherin erfolgen, in ihren Träumen sah sich die junge Frau aber als Varietésängerin. Trotz einiger Auftritte im Milieu wurde aus dem Varieté nichts, allenfalls insoweit, als der lockere Umgang sie die Bekanntschaft jener Männer machen ließ, die ihr das Kapital für ihre Unternehmungen, in denen sie Erfolg haben sollte, beschafften. Anfänglich, hinterher war sie darauf nicht mehr angewiesen. Sie hatte sich nämlich ihrer handwerklichen Tüchtigkeit besonnen und eröffnete in Paris ein Putzgeschäft. Der Begriff ist heute etwas aus der Mode gekommen, obwohl er viel mit Mode zu tun hat. Damit verbindet sich nämlich nicht eine Personalleasingagentur für Reinigungskräfte, sondern eine Manufaktur für Damenhüte

Das Besondere ihres Geschäftes bestand nicht darin, dass es lieferte, was – wie man heute etwas abstrakt-gedankenlos sagen würde – »der Markt« verlangte, sie schuf sich ihren Markt selbst. Was von ihr kam, war neu und fiel auf, es war ungewohnt schlicht und – es gefiel. Es gefiel, weil die Zeit im Wandel begriffen war. Sie war, wie sie selbst einmal sagte, zur rechten Zeit am richtigen Ort, damals und auch später noch. Zu den Hüten gesellten sich Jumper aus – auch hier sei eine Anleihe an unsere Sprachgewohnheiten erlaubt – innovativen Materialien, die ebenfalls gefielen, auch, weil sie preiswert und die Zeiten nicht danach waren, Teures zu produzieren. Mitten im Ersten Weltkrieg beschäftigte sie 300 Angestellte. Es sollten bald 3.000 werden, die nicht nur Stoffe für Auge und Haut herstellten und verarbeiteten, sondern auch solche für die Nase.

Eine gute Nase bewies die Gesuchte, als man sie nach dem Zweiten Weltkrieg abzuschreiben begann. Daran war sie nicht unbeteiligt, denn ihre Beziehungen zur deutschen Besatzungsmacht waren speziell und, was das andere Geschlecht betrifft, sehr persönlich. Es war ihr später eine Menge Geld wert zu bewirken, dass hierüber nicht allzu viel gesprochen und geschrieben wurde. Sie war fast 70 Jahre alt, als sie mit neuen Ideen ihre Konkurrenten hinter sich ließ und ihre Kreationen Modemaßstäbe setzten, die man zeitlos nennen könnte. Was immer von ihr bleiben sollte, dies gewiss: der Modeschmuck und das Unverzichtbare schlechthin – das kleine Schwarze.


Wer war die »kleine Dame«, die einen Mann nur für das Accessoire der Frau hielt?

Richten Sie Ihre Antwort mit Ihrer Adresse bis zum 16. Juli 2008 an:
newsletter-gewinnspiel@brockhaus.de

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