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Ein Konzert besucht und eine neue Liebe gefunden

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Alt 09.11.2005, 01:55   #1 (permalink)
salmissra
 
Beiträge: n/a
Standard Ein Konzert besucht und eine neue Liebe gefunden

Mein Großer hatte mich heute zu einem Konzert eingeladen. In der Philharmonie im Kammermusiksaal gab es ein Chopin-Konzert. Ich hatte schon einiges von Chopin gehört, da bei mir ein paar Klassik-CDs rumliegen, und mich entsprechend auf das Konzert gefreut.
Dinorah Varsi spielte von Chopin Préludes und Nocturne. Es besteht jedoch ein riesiger Unterschied darin, ein Klavierkonzert zu Hause zu hören und der Akustik nebst Atmospäre in einem Kammermusiksaal. Da nur eine einzige Künstlerin samt Klavier den Augen dargeboten wird, ist die Fokussierung auf die Musik ungleich stärker. Ich hätte nie gedacht, was für einen gewaltigen Unterschied das ausmacht. Es hat mich schlicht und einfach vollkommen überwältigt. Schon nach 2 Minuten flossen, ganz gegen meinen Willen, Tränen aus meinen Augen, so sehr hat die Musik mich berührt. Es war, als wäre die Musik direkt aus meiner Seele entsprungen um sich durch die Hände der Künstlerin wieder dorthin zu begeben. Wie ein Echo meiner Gefühle, durchströmte mich diese Musik und es entstand eine neue Liebe. Eine Liebe zwischen mir und der Musik von Chopin. Vor allem die Préludes haben es mir angetan. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich einmal gelesen, Chopin wäre schwermütig gewesen. Nachdem ich diese Musik gehört habe, bin ich sicher, diejenigen, die das schrieben haben Recht.
 
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Alt 09.11.2005, 01:59   #2 (permalink)
Wishmaster
 
Beiträge: n/a
Standard

Das ist wunderbar! Ich habe so etwas ähnliches bei einem anderen Musikereignis erlebt. Der Abend hat sich gelohnt, das freut mich für dich!
 
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Alt 09.11.2005, 02:04   #3 (permalink)
salmissra
 
Beiträge: n/a
Standard

Es war ein toller Abend Nur mein Großer war anfangs etwas erschrocken, dass seine Mama versuchte trotz weinen nicht zu schniefen :-D Danach waren wir den 1. Glühwein des Jahres trinken und haben zu Hause noch zusammen gegessen. Solche Abende kann es nicht genug geben.
 
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Alt 09.11.2005, 02:08   #4 (permalink)
Wishmaster
 
Beiträge: n/a
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Da gebe ich dir recht. Aus solchen Abendenden schöpft man Kraft und vergisst mal eine zeitlang alles Negative.
 
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Alt 09.11.2005, 03:02   #5 (permalink)
taube2
 
Registriert seit: 23.04.2005
Beiträge: 647
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Ich habe vor einiger Zeit auch mal Chopin live gehört. Gespielt von Evgeny Kissin. Zum weinen in der Öffentlichkeit bin ich viel zu cool, aber trotzdem: Es war einfach der Wahnsinn! Und wirklich ergreifend!
Ich glaube ich verstehe schon, was Du meinst.
Zu meiner absoluten Lieblings-Abendmusik gehören auch 3 bestimmte Nocturnen von ihm.
Zu meinen Lieblingsgedichten gehört auch dieses über ihn. Von Gotfried Benn.
Es ist recht lang, aber vielleicht wirst Du finden, dass es die Lektüre wert ist.
Ich kann es fast auswendig...

Chopin

Nicht sehr ergiebig im Gespräch,
Ansichten waren nicht seine Stärke,
Ansichten reden drum herum,
wenn Delacroix Theorien entwickelte,
wurde er unruhig, er seinerseits konnte
die Notturnos nicht begründen.

Schwacher Liebhaber;
Schatten in Nohant,
wo George Sands Kinder
keine erzieherischen Ratschläge
von ihm annahmen.

Brustkrank in jener Form
mit Blutungen und Narbenbildung,
die sich lange hinzieht;
stiller Tod im Gegensatz zu einem
mit Schmerzparoxysmen
oder durchh Gewehrsalven:
man rückte den Flügel (Erard) an die Tür
und Delphine Potocka
sang ihm in der letzten Stunde
ein Veilchenlied.

Nach England reiste er mit drei Flügeln:
Pleyel, Erard, Broadwood,
spielte für zwanzig Guineen abends
eine Viertelstunde
bei Rothschilds, Wellingtons, im Strafford House
und vor zahllosen Hosenbändern;
verdunkelt von Müdigkeit und Todesnähe
kehrte er heim
auf den Square d'Orleans.

Dann verbrennt er seine Skizzen
und Manuskripte,
nur keine Restbestände, Fragmente, Notizen,
diese verräterischen Einblicke -
sagte zum Schluß:
"Meine Versuche sind nach Maßgabe dessen vollendet,
was mir zu erreichen möglich war."

Spielen sollte jeder Finger
mit der seinem Bau entsprechenden Kraft,
der vierte ist der schwächste
(nur siamesisch zum Mittelfinger).
Wenn er begann, lagen sie
auf e, fis, gis, h, c.

Wer je bestimmte Präludien
von ihm hörte,
sei es in Landhäusern oder
in einem Höhengelände
oder aus offenen Terrassentüren
beispielsweise aus einem Sanatorium,
wird es schwer vergessen.

Nie eine Oper komponiert,
keine Symphonie,
nur diese tragischen Progressionen
aus artistischer Überzeugung
und mit einer kleinen Hand.
Gottfried Benn (1886 - 1956)
taube2 ist offline  
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Alt 09.11.2005, 10:14   #6 (permalink)
Farina
 
Benutzerbild von Farina
 
Registriert seit: 08.08.2005
Beiträge: 913
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Es freut mich, dass du so einen tollen Abend mit deinem Großen hattest und so eine starke Bindung bzw.< liebe zu Chopin aufgebaut hast...ich wünsche dir noch mehr so tolle Abende, d agehts einem gleich viel besser...
__________________
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar." (Antoine de Saint-Exupery)
Farina ist offline  
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Alt 09.11.2005, 13:11   #7 (permalink)
salmissra
 
Beiträge: n/a
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@taube2 Die Tränen kamen mir ganz gegen meinen Willen. ich hasse es in der Öffentlickeit zu weinen.
Danke für das Gedicht Es ist so traurig schön.
 
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Alt 09.11.2005, 18:06   #8 (permalink)
havanaclub
 
Benutzerbild von havanaclub
 
Registriert seit: 16.12.2002
Beiträge: 2.926
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Musik kann die Stimmung erheblich verändern. Freut mich ehrlich für Dich, daß der Abend so gelungen ist. Vielleicht liegt ja bald eine Chopin-CD unterm Weihnachtsbaum.
__________________
Im Wein liegt Wahrheit, in Bier liegt Kraft und im Wasser schwimmen die Bazillen.
havanaclub ist offline  
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Alt 09.11.2005, 19:06   #9 (permalink)
marilin
 
Registriert seit: 02.10.2005
Ort: Deutschland
Beiträge: 772
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Life - Konzerte, Oper usw, natürlich was man mag, sind immer etwas ganz besonderes, finde ich zumindest. Das kann man auch schlecht beschreiben, muss jeder selbst erlebt haben. Mich hat es auch schon öfter mitgerißen. Das letzte Mal war ich im Freischütz. Es wird höchste Eisenbahn, dass ich mir so etwas auch mal wieder gönne ( der steht für persönlich für Träum)
marilin ist offline  
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Alt 09.11.2005, 19:43   #10 (permalink)
taube2
 
Registriert seit: 23.04.2005
Beiträge: 647
Standard

Hmmm, ist jetzt ein Tip, der auch unter "Eingeschränktes" stehen könnte :-D aber ein paar User wohnen ja in erreichbarer Nähe zu Bielefeld:

Ich war kürzlich in der Oper "Die Reise nach Reims" von Rossini, die gerade in Bielefeld gespielt wird. Und das ist eine unbedingt lohnende Sache!

Wer schon weiß, dass er mit Oper überhaupt nichts anfangen kann, den wird auch das vielleicht nicht vom Hocker reißen. Aber neben der Musik, die ganz gut ist (Rossini ist auch nicht 100% mein Geschmack) ist das ganze vor allem wunderbar inszeniert! Ich habe so gelacht und war so gerührt und (fast) alle Sänger spielen auch hervorragend (ist bei Opernsängern weiß Gott keine Selbstverständlichkeit... )
Wer also in erreichbarer Nähe wohnt und Oper mag -> hinfahren!
Und wer in erreichbarer Nähe wohnt und sich nicht sicher ist -> auch hinfahren!
Einen dermaßen unterhaltsamen und netten Einstieg in die Welt der Oper kriegt ihr so schnell nicht wieder!
taube2 ist offline  
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